Blitzlicht
Streiflicht zu Martin Hufners Cluster in der NMZ 5/26
Wie politisch sind wir Musikerinnen und Musiker und sollten wir dies sein oder werden?
Wenn Martin Hufner die Musiklandschaft mit einem zugespitzt-provokativen und imaginären Text über eine Auflösung des Deutschen Musikrats durch Kulturstaatsminister Weimer aufrütteln will (NMZ 4/26, Cluster), so traf er dabei einen wunden Punkt. Im Folgeheft (NMZ 5/26, Cluster S. 5) stellt er den Sachverhalt als Vision dar, kritisiert aber gleichzeitig den obersten deutschen Musikverband, der „ohne Kanten und Ecken“ sich „mit Fragen zu Demokratie und anderem Gedöns durch die Kulturwelt“ bewege.
Die Analyse ist bitter – selbst wenn an den Fragen zur Demokratie an sich ja nichts Schlechtes ist! – und sicher weiß Hufner um die Schwierigkeiten eines vom Staat finanziell getragenen Verbandes. Doch zeigt sich hinter diesem Dilemma der Abgrund einer erodierenden Kulturlandschaft, deren Aufbau mit enormem Aufwand bereits früh im 19. Jahrhundert entstand und deren Abwicklung durch die fehlende Wertschätzung (im ursprünglichen Sinne) der Musik als Teil der Menschenbildung von der Politik gleichsam unbewusst vorgenommen wird.
Deshalb: Es ist nicht mehr selbstverständlich, dass die Musiklandschaft ungekürzt erhalten bleibt. Und wir darin Tätigen müssen Wege finden, uns Gehör zu schaffen.
tob, 10.5.26
Leserbrief zur NMZ 2/26 75. Jg.
Sehr geehrte Redaktion der NMZ,
im wichtigen Leitartikel „Einsturzgefahr“ beschreibt Juan Martin Koch knapp und genau die fehlende Akzeptanz des Berufes des Instrumentalmusiklehrenden. Besonders die Passage zu den Meldungen der Musikhochschulen auf ihren Webseiten lässt dabei aufhorchen und nachdenken. Selbstverständlich schlägt der Co-Autor der MiKADO-Musik-Studie Michael Dartsch in die gleiche Kerbe und liefert mit den Stichpunkten „niedriges Gehalt“ und „nicht so familienfreundliche Unterrichtszeiten“ wichtige, wenn nicht zentrale Argumente der Ursachen der Unattraktivität dieses Berufes. Dartsch sieht in seiner faszinierend kompletten Analyse der Problematik durch den „Geniekult“ zusätzlich dicke Bretter vor sich, die nicht leicht zu bohren sein werden.
Wie wäre es, wenn sich, beispielsweise im Feld der wissenschaftlichen Publikationen, die Autoren mehr auf die pädagogischen Leistungen konzentrieren würden, um mehr Resonanz für den Beruf des Lehrenden zu schaffen? Denn das fehlende Interesse an der pädagogischen Grundlagenbildung, die Koch ja in seinem Leitartikel als essentiell für das „Musikleben Deutschland“ beschreibt, findet sich auch bei der Analyse früherer Zeiten. Oder – zumindest lese ich so die Rezension von Bojan Budisavljević des Buches von Sebastian Hansen über die Konzertgesellschaften in Deutschland um 1800 – warum wird der pädagogische Impuls, der im Umfeld und Nachgang von Pestalozzi und den vielen Bildungsreformen dieser Zeit die bürgerliche Musik und damit auch die Orchesterlandschaft im 19. Jahrhundert erst entstehen ließen, so wenig analysiert und beschrieben?
Mit freundlichen Grüßen,
Tobias Bonz







